Gerechtigkeit nur nach Vorschuss

Kaum ein Fall von NS-Raubkunst hat in den vergangenen Jahren eine solche Aufmerksamkeit erregt wie die Rückgabe von Ernst Ludwig Kirchners „Berliner Straßenszene“ im Jahr 2006 durch das Land Berlin. Selbst vor Angriffen auf die Erbin der jüdischen Eigentümer und ihre Anwälte machten Kritiker der Entscheidung damals nicht halt: „Man sagt ,Holocaust‘ und meint Geld.“

Der Rechtsanwalt Gunnar Schnabel und die Provenienzforscherin Monika Tatzkow, die damals als Gutachter für die Erbin vor dem Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses aussagten, haben ihre Recherchen über das expressionistische Gemälde und die Erfurter Sammlerfamilie Hess nun in Buchform aufbereitet. Eine Rezension der Studie „Der Fall Kirchner – Raubkunst und Restitution“ im Kulturteil der taz.

Drei-Wetter-Taft der Politik

Vor einiger Zeit ließ sich in der Langzeit-Porträtreihe „Spuren der Macht“ von Herlinde Koelbl nachvollziehen, wie sich Amtsgewalt in den Gesichtern der Mächtigen einschreibt. Helmut Schmidt, das ist zuallererst festzuhalten, wenn man jetzt aus der aktuellen Ausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung kommt, hat sich daneben vergleichsweise gut gehalten.

Eine Besichtigung für die Berliner Kulturseite der taz.

Moral oder Gesetz?

Wie kann jüdischen Eigentümern, denen im Zuge der nationalsozialistischen Verbrechen Kunstgegenstände geraubt und abgepresst wurden, Gerechtigkeit widerfahren? Als sich die Holocaust-Konferenz in Washington 1998 auf elf Grundsätze zum Umgang mit NS-Raubkunst einigte, schien ein Durchbruch in dieser Frage gelungen.

Zehn Jahre später, so das Ergebnis einer internationalen Fachtagung in Berlin, fällt die Bilanz ernüchternd aus. Ein Tagungsbericht für das Feuilleton der taz.

Die Missgünstigen

Das ganze Land feiert Uwe Tellkamps Wenderoman „Der Turm“. Das ganze Land? Eine Stadt (und ihre Zeitung) will nicht recht einstimmen in die Bewunderung für diesen großen Wurf – selbst wenn oder gerade weil sie Schauplatz der Handlung ist. Ein Erklärungsversuch, gedruckt im Berliner Tagesspiegel (und in Potsdam in den PNN).

Die Sächsische Zeitung antwortete am Tag darauf mit dem Bericht einer Dresdner Tellkamp-Lesung: „[…] wer den Andrang im Strehlener Gemeindesaal sieht und die Schlange derjenigen, die stolz und begeistert um Widmung anstehen, fragt sich, wie eine Zeitung aus Berlin auf die Idee kam, zu behaupten, Dresden tue sich schwer mit Uwe Tellkamp.“ Der grandiose Satz zur Verleihung des Deutschen Buchpreises 2009 („Gegen die anderen Bücher der Shortlist spricht das nicht“) findet sich hier.

So wie die Chinesen

Billigprodukte, Raubkopien, Menschenrechtsverletzungen, Demokratiedefizite: Wenn es Parallelen zwischen China und dem historischen Deutschland gibt, dann nicht – wie im Olympiajahr so oft bemüht – zu „Berlin 1936“ und dem Nationalsozialismus, sondern zum zweiten Kaiserreich. So lautet die These dieses Essays, gedruckt im Feuilleton der Frankfurter Rundschau.

Der Perlentaucher fasst zusammen: „Die entwickeln sich noch wie die Deutschen!“

Und zum Nachhören hier die Zusammenfassung im letzten Drittel der hr2-Presseschau.

Wohin die Reichsbahn im Dritten Reich rollte

Das Bundesverkehrsministerium hat nun ein Gutachten vorgelegt, das erstmals umfassend die Rolle seiner Vorgängerinstitution von 1933 bis 1945 untersucht. Daraus geht hervor, dass Reichsverkehrsministerium und Reichsbahn an den Deportationen von Juden in die Vernichtungslager unmittelbar beteiligt waren.

Eine Buchvorstellung für die Tageszeitung Die Welt.

Eine rumänische Kindheit

Die aus Rumänien stammende Berliner Schriftstellerin Carmen-Francesca Banciu spiegelte schon in ihrem Roman „Vaterflucht“ das ambivalente Verhältnis zu ihren Nomenklatura-Eltern. War es damals die spröde Prosa kurzer Sätze, die neben der beklemmenden Atmosphäre der Ceausescu-Jahre einen literarischen Mehrwert gab, sind es im „Lied der traurigen Mutter“ nun verknappte, zerhackte, scheinbar naive Sätze und eine komplex verspiegelte Komposition des Romans.

Eine Kurzkritik in der Literarischen Welt.