Mythos Opel: Verdrängte Geschichten

Wann immer in diesen Tagen von Opel als Symbol die Rede ist, wird nostalgisch zurückgeblickt. Die Marke stehe „für Solidität und Biederkeit der fünfziger Jahre, für Familiensinn und Wirtschaftswunder“, schreibt etwa der Spiegel und resümiert: „für die Grundlagen von allem also“.

Doch macht man sich die Mühe, einmal in einschlägige Veröffentlichungen zur Firmenhistorie zu blicken, dann wird schnell klar, dass sich die Opel-Story keineswegs so bruchlos und so glanzvoll abspielte, wie sie die kollektive Erinnerung im Angesicht des gegenwärtigen ökonomischen Desasters erscheinen lassen will. Eine Recherche für die tazzwei.

Verlorene Bilder, verlorene Leben

Dass sich mit NS-Raubkunstfällen die Schicksale von Verfolgten verknüpfen, gerät in den Diskussionen um die Rechtmäßigkeit von Rückgaben und Rekorderlöse für versteigerte Bilder oft in Vergessenheit. In dem Band „Verlorene Bilder, verlorene Leben“ gehen die Berliner Provenienzforscherin Monika Tatzkow und die Wiener Journalistin Melissa Müller den Geschichten von 15 Sammlern und Sammlerfamilien nach, die von den Nationalsozialisten als jüdisch oder „jüdisch versippt“ verfolgt worden sind. Eine Rezension für den Kulturteil der taz.

Und eine ,Berichtigung‘ durch die Redaktion.

Die Wunde Dresden

Am 13. und 14. Februar jährt sich die Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg durch alliierte Bomberverbände zum 64. Mal. Dresden ist nicht mehr nur eine Chiffre des Bombenkriegs und des Leids auch der deutschen Zivilbevölkerung. Unter dem Eindruck rechter Aufmärsche scheint die Stadt inzwischen auch ein Synonym für die mangelnde Fähigkeit geworden zu sein, dem Geschichtsrevisionismus der Neonazis und Nationalkonservativen etwas entgegenzusetzen, wenn nicht gar für deren Versuche selbst, deutsche Opferzahlen gegen die nationalsozialistischen Verbrechen aufzurechnen. Ein Essay über einen mehrdeutigen Erinnerungsort, erschienen in der taz.

Und zum Hören hier ein Deutschlandradio-Pressegespräch vom 12. Februar 2009, in dem zur Mitte auch auf den taz-Beitrag Bezug genommen wird.

Historische Belastungsproben

Verschlafen und bedeutungslos wirkt heute die Berliner General-Pape-Straße am S-Bahnhof Südkreuz. Wäre da nicht ein merkwürdiger Klotz Beton. Ein Geschichtsparcours gibt jetzt Aufschluss über die Kasernen und Pläne für die „Welthauptstadt Germania“ im einstigen Militärbezirk. Hier beginnt der Rundgang.

Und hier finden Sie den notwendigen Lageplan und Informationsbroschüren des Bezirksamts Tempelhof-Schöneberg von Berlin als pdf-Downloads.

1984

Orwelljahr und Los-Angeles-Boykott, im Osten erste Botschaftsbesetzungen durch Flüchtlinge aus der DDR und im Westen die Angst vor dem „Überwachungsstaat“ – der von mir verfasste Beitrag „1984“ in „60 x Deutschland“, Begleitbuch der gleichnamigen ARD-Fernsehreihe, erinnert an die Ereignisgeschichte dieses Jahres zwischen Blockkonfrontation und Glasnost, Breschnew und Gorbatschow, der wenig später in den Kreml einziehen sollte.

Mehr Informationen über das von Sandra Maischberger und Johannes Unger herausgegebene Buch finden Sie auf der Homepage des Nicolai-Verlags.

Der Dichter beim General

Ein Gipfeltreffen von Geist und Politik so lautet die gängige Lesart für die Begegnung von Goethe und Napoleon am Rande des Erfurter Fürstentags 1808. Eine Studie des Historikers und Autors der Süddeutschen Zeitung Gustav Seibt zeigt den Realisten Goethe.

Und hier finden Sie eine Rezension des Buches für das Magazin der taz.

Man sprickt deutsh

20 Jahre Mauerfall, 60 Jahre Bundesrepublik, 2000 Jahre Varusschlacht: 2009 häufen sich die „deutschen“ Jubiläen. Und Hans Ottomeyer, Chef des Deutschen Historischen Museums in Berlin, ließ zur Eröffnung der Ausstellung „Die Sprache Deutsch“ keinen Zweifel, dass auch deren Gegenstand als „verbindungsstiftendes und unterscheidendes Merkmal“ in diesen Zusammenhang gehört. Das Deutsche mit europaweit 100 Millionen Sprechern sei zwar ein „Bedeutungsriese“, aber ein „Geltungszwerg“.

Was davon zu halten ist, steht hier.

Gerechtigkeit nur nach Vorschuss

Kaum ein Fall von NS-Raubkunst hat in den vergangenen Jahren eine solche Aufmerksamkeit erregt wie die Rückgabe von Ernst Ludwig Kirchners „Berliner Straßenszene“ im Jahr 2006 durch das Land Berlin. Selbst vor Angriffen auf die Erbin der jüdischen Eigentümer und ihre Anwälte machten Kritiker der Entscheidung damals nicht halt: „Man sagt ,Holocaust‘ und meint Geld.“

Der Rechtsanwalt Gunnar Schnabel und die Provenienzforscherin Monika Tatzkow, die damals als Gutachter für die Erbin vor dem Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses aussagten, haben ihre Recherchen über das expressionistische Gemälde und die Erfurter Sammlerfamilie Hess nun in Buchform aufbereitet. Eine Rezension der Studie „Der Fall Kirchner – Raubkunst und Restitution“ im Kulturteil der taz.

Drei-Wetter-Taft der Politik

Vor einiger Zeit ließ sich in der Langzeit-Porträtreihe „Spuren der Macht“ von Herlinde Koelbl nachvollziehen, wie sich Amtsgewalt in den Gesichtern der Mächtigen einschreibt. Helmut Schmidt, das ist zuallererst festzuhalten, wenn man jetzt aus der aktuellen Ausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung kommt, hat sich daneben vergleichsweise gut gehalten.

Eine Besichtigung für die Berliner Kulturseite der taz.