Die Fotografin Herlinde Koelbl fragt im Dresdner Hygiene-Museum nach Rollenbildern und Identität.

Als die Münchner Fotografin Herlinde Koelbl vor vielen Jahren im Jugoslawien-Urlaub ein Restaurant besuchte, war sie eingenommen von dessen Besitzerin. Mit der üblichen Tracht, einem langen schwarzen Rock, schwarzer Bluse und schwarzem Kopftuch bekleidet, habe sie die Würde einer echten Dame ausgestrahlt. Dann verschwand die Frau, offenbar um sich für die Freizeit umzukleiden. Als sie wiederkam, war das Erstaunen groß: Nicht nur, dass sie eine Art Kittelschürze angelegt hatte. Auch alle Ausstrahlung war wie verflogen. Mit der Kleidung schien auch die Person wie ausgetauscht.
Dieser Eindruck, sagt Koelbl, habe sie nicht mehr losgelassen. Wie verändert Kleidung einen Menschen und die Art, ihn wahrzunehmen?, habe sie sich in ihrem, im Titel auf Gottfried Kellers gleichnamige Novelle anspielenden Langzeitprojekt „Kleider machen Leute“ gefragt. Vor vier Jahren begann sie damit, Militärs, Anwälte, Hotelpersonal, eine Geisha, Menschen unterschiedlichster Berufe und Kulturen, die Uniformen oder ähnliche Berufsbekleidung tragen, vor die Kamera zu bitten: einmal beruflich, einmal privat, in den Kleidern, die sie in den eigenen vier Wänden bevorzugen.
