Was nicht passt …

Schubladendenken, Klischees und Vorurteile sind weit verbreitet – und keiner ist von ihnen frei. Wenn wir uns von ihnen leiten lassen, schaden wir damit aber nicht nur anderen, sondern auch uns selbst.

Schublade

Ob „Frauen können nicht einparken“ oder „Blondinen sind dumm“, ob „Schwarze sind musikalisch“, „Asiaten fleißig“, „Beamte faul“, „Schwule kreativ“ oder „Lehrer immer krank, jedenfalls wenn nicht gerade Ferien sind“: An Stereotypen und Vorurteilen besteht in unserer Welt kein Mangel. Da sind Stereotype über Filme, Bücher und andere Produkte („Chinesische Waren taugen nicht viel“), da sind solche über bestimmte Orte oder Stadtviertel („Wie kann man nur da wohnen?!“) und über bestimmte Rollen und Berufe oder Anhänger eines bestimmten Lebensstils („Popper/Punker/Banker finde ich blöd“).

Gemeinsam ist ihnen allen, dass sie sich bei genauem Hinschauen kaum als zutreffend erweisen. Und dass sie spätestens, wenn sie sich auf Kategorien wie Geschlecht, Alter, Hautfarbe, ethnische Herkunft oder sexuelle Orientierung beziehen, nichts anderes als eben sexistische, rassistische oder homophobe Stereotype und Vorurteile darstellen. Wer solche Klischees pflegt, überschreitet schnell den schmalen Grat zwischen Denkfaulheit und Diskriminierung. Ganz zu schweigen von den verheerenden Folgen, die Rassismus und Antisemitismus in der Geschichte nach sich zogen und bis in die Gegenwart noch viel zu häufig nach sich ziehen.

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Unser Papst, eure Diebe

Über heikle Tischgespräche

Dass das Klischee Polen und Autoklau ein heikles Gesprächsthema ist, bemerkten wir neulich beim Essen mit Besuch aus L. Es ging um die DDR und die Volksrepublik, den Kirchensender Radio Maryja und die Kaczynski-Brüder, um „unseren“ und „euren“ Papst (wobei wir uns nicht angesprochen fühlten), und irgendwie kamen wir auch auf die Witze „dieses Entertainers“. „Harald Schmidt?“ „Genau.“ Denn wie hierzulande Thema wird, wenn polnische Zeitungen Angela Merkel mal wieder eine Hakenkreuzbinde an den Arm fotomontieren, sorgt im Nachbarland für Empörung, wenn sich Dirty Harry Polen zuwendet.

Man müsse Schmidt nicht mögen, versuchten wir zu erklären, aber er betreibe eine Art Bildungsfernsehen mit anderen Mitteln: Wenn er Chauvi-Witze mache, ziele das auch darauf ab, Vorurteile seiner Zuschauer aufzudecken. Schließlich komme er vom Theater oder zumindest vom Kabarett. Zugegeben, ganz sicher seien wir uns mit dieser These nicht. Auf jeden Fall aber mache er solche Witze über alles und jeden.

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Wie Kleider Leute machen

Die Fotografin Herlinde Koelbl fragt im Dresdner Hygiene-Museum nach Rollenbildern und Identität.

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Als die Münchner Fotografin Herlinde Koelbl vor vielen Jahren im Jugoslawien-Urlaub ein Restaurant besuchte, war sie eingenommen von dessen Besitzerin. Mit der üblichen Tracht, einem langen schwarzen Rock, schwarzer Bluse und schwarzem Kopftuch bekleidet, habe sie die Würde einer echten Dame ausgestrahlt. Dann verschwand die Frau, offenbar um sich für die Freizeit umzukleiden. Als sie wiederkam, war das Erstaunen groß: Nicht nur, dass sie eine Art Kittelschürze angelegt hatte. Auch alle Ausstrahlung war wie verflogen. Mit der Kleidung schien auch die Person wie ausgetauscht.

Dieser Eindruck, sagt Koelbl, habe sie nicht mehr losgelassen. Wie verändert Kleidung einen Menschen und die Art, ihn wahrzunehmen?, habe sie sich in ihrem, im Titel auf Gottfried Kellers gleichnamige Novelle anspielenden Langzeitprojekt „Kleider machen Leute“ gefragt. Vor vier Jahren begann sie damit, Militärs, Anwälte, Hotelpersonal, eine Geisha, Menschen unterschiedlichster Berufe und Kulturen, die Uniformen oder ähnliche Berufsbekleidung tragen, vor die Kamera zu bitten: einmal beruflich, einmal privat, in den Kleidern, die sie in den eigenen vier Wänden bevorzugen.

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Ich sag’ mal so

Oft benutzt, viel gescholten: Floskeln.

Sprechblase

 

Ob „Schön, Sie kennen zu lernen“, „Lange nicht gesehen“ oder „Wo haben Sie denn so gut kochen gelernt?“, ob „Ein Wetter ist das heute“, „im Endeffekt“ oder „Da jagt man ja keinen Hund vor die Tür“: An Floskeln besteht in unserer Welt kein Mangel.

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Das waren die Nullerjahre

In einer Serie geht die Freie Presse Chemnitz derzeit Phänomenen der Nullerjahre nach. Und vielleicht kann man die Dekade ja als eine der Überwindung alter Gräben ansehen. Denn ob das Jahrhunderthochwasser 2002, die Papstwahl oder auch die Fußball-WM: Mit Vorliebe bei medial begleiteten Großveranstaltungen wurde sich in diesem Jahrzehnt gern über Ost-West-, Konfessions- und sonstige Lagergrenzen hinweg umarmt. Ein Versuch über das neue Wir-Gefühl damals.

Und hier ein anderer Rückblick auf meine Nullerjahre, erschienen in der taz.