Sie kamen und blieben

Nur wenige Wochen nach dem Verlust vieler Leihgaben zeigt das Dresdner Kraszewski-Museum die erste Wechselausstellung. Es geht um deutsche Einwanderer in Warschau.

Aleja Szucha

Als vor einigen Wochen die Nachricht von der Schließung der Dauerausstellung des Dresdner Kraszewski-Museums die Runde machte, war der Schreck in der Stadt groß. Nicht nur ein Ort deutsch-polnischer Verständigung schien bedroht, weil der polnische Staat Kulturgüter nicht mehr länger als fünf Jahre ins Ausland auszuleihen gestattete. Auch ein Museum für den Verfasser eines sächsischen Literaturdenkmals war in Gefahr.

Schließlich hat der polnische Schriftsteller Józef Ignacy Kraszewski, der einen Teil seiner mehr als 20 Jahre im Dresdner Exil in dem Haus verbrachte, mit seiner Sachsen-Romantrilogie über die Gräfin Cosel, den Grafen Brühl und den Siebenjährigen Krieg Bücher verfasst, die das kulturelle Gedächtnis des Bundeslandes bis heute mitprägen. Vor allem die Verfilmung unter dem Titel „Sachsens Glanz und Preußens Gloria“ ist populär.

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„Legenden von der unschuldigen Stadt“

Der Historiker Roman Töppel über den 13. Februar 1945, rechte Aufmärsche und das schwierige Gedenken an die Zerstörung Dresdens

Jahrestage von Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg sind in vielen Städten ein Datum des Erinnerns, aber ebenso ein Aufmarschtermin der Rechten. Vor allem am 13. Februar in Dresden entzünden sich regelmäßig heftige Debatten. Der Münchner Historiker Roman Töppel hat an der TU Dresden promoviert und ist Verfasser des Dresden-Beitrags in dem Band „Sächsische Mythen“ (Edition Leipzig 2011).

In den vergangenen Jahren hat es immer wieder rechte Aufmärsche im Umfeld des 13. Februar gegeben. Was macht solche Gedenktage, was macht Dresden für Neonazis so attraktiv?

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Melancholia und die Meteorologie der Krise

Warum Lars von Triers aktueller Kinofilm lange nachwirkt. 

Melancholia

Es gibt wichtigere Themen als das Wetter, und am vergangenen Wochenende hat es sich mit dem heraufgezogenen Regentief sowieso gedreht. Dennoch war der zurückliegende November, sonst eine Zeit grauer Depression, in diesem Jahr mit seinen Lichtspielen, dem klaren Taghimmel und den blassrosa Sonnenuntergängen höchst bemerkenswert. Beinahe unwirklich mutete einem dieser Monat an, und wenn die sonnenbeschienene Oberfläche des Mondes am Nachmittag zwischen Schäfchenwolken stand, konnte einen das an Lars von Triers aktuellen Kinofilm „Melancholia“ erinnern, dessen handelnde Personen gebannt auf den titelgebenden, fremden Planeten Melancholia blicken, der – so will es der Plot – todbringend auf die Erde zurast.

Dem Film, der zwei Schwestern im Angesicht der Katastrophe zeigt, wurde der Vorwurf gemacht, er verherrliche die Depression. In der ersten Hälfte, die von einer Hochzeit erzählt, trennt sich eine der beiden, gespielt von Kirsten Dunst, scheinbar ohne Anlass, aus einer sie plötzlich ergreifenden Melancholie heraus von dem ihr gerade angetrauten Mann und bricht auch sonst auf selbstzerstörerische Weise mit fast allen, die ihr nahe stehen.

Die eigentliche Vermählung aber findet in der zweiten Hälfte statt: Melancholia und die Meteorologie der Krise weiterlesen

Das waren die Nullerjahre

In einer Serie geht die Freie Presse Chemnitz derzeit Phänomenen der Nullerjahre nach. Und vielleicht kann man die Dekade ja als eine der Überwindung alter Gräben ansehen. Denn ob das Jahrhunderthochwasser 2002, die Papstwahl oder auch die Fußball-WM: Mit Vorliebe bei medial begleiteten Großveranstaltungen wurde sich in diesem Jahrzehnt gern über Ost-West-, Konfessions- und sonstige Lagergrenzen hinweg umarmt. Ein Versuch über das neue Wir-Gefühl damals.

Und hier ein anderer Rückblick auf meine Nullerjahre, erschienen in der taz.

Eine Wiederentdeckung des Lichts

Der Maler Fritz von Uhde war ein wichtiger Vertreter des Realismus und Impressionismus in seiner Zeit. Zum 100. Todestag erinnern sein sächsischer Geburtsort Wolkenburg und die (mit einiger Verspätung) frisch renovierten Kunstsammlungen des benachbarten Zwickau mit Ausstellungen an ihren Sohn.

Lesen Sie hier meine Vorschau, gedruckt im März in der Freien Presse Chemnitz.