Deutschland, deine Denkmale

In Berlin und Leipzig wird über Einheits- und Freiheitsdenkmale gestritten, in Dresden über eines, das an die Rede Helmut Kohls im Dezember 1989 vor der damaligen Ruine der Frauenkirche erinnert. Der Berliner Historiker Wolfgang Wippermann liefert mit seiner Streitschrift „Denken statt denkmalen – Gegen den Denkmalwahn der Deutschen“ einen geschichtlichen Abriss zur Debatte.

Eine Rezension für die Freie Presse Chemnitz.

„Ich wusste jeden Morgen, wogegen ich war“

Der Theaterregisseur Wolfgang Engel inszeniert am Dresdner Staatsschauspiel eine Bühnenfassung von Uwe Tellkamps Roman „Der Turm“. Im Interview (für die Freie Presse Chemnitz) spricht er über die Endzeit der DDR, das Dresden der 1980er-Jahre und seine Theaterarbeit damals: „Trotzdem war es auch immer eine Gratwanderung: Auszuloten, was geht, aber es nicht zu überreizen, damit eine Inszenierung nicht verboten wird. Das heißt, es stand immer die Frage: Verhältst du dich noch taktisch, oder bist du schon ein Opportunist?

Ein etwas älteres Porträt Wolfgang Engels, erschienen im November 2006 im Kreuzer – Das Leipziger Stadtmagazin, finden Sie hier.

Der raue Charme des Erzgebirges

Die DDR-Kinderfernsehserie „Spuk von draußen“ von 1987 schickte eine Arztfamilie aus Berlin in die Südprovinzen des Landes. Das Erzgebirge erscheint dort als eine Art noch nicht domestizierte Gegenwelt zur Zivilisation der Hauptstadt, geprägt von Volkskunst, Natur, Dialekt und – Spuk.

Eine DVD-Besichtigung für die Freie Presse Chemnitz.

Von Pankow bis zum Runden Tisch

„Es war nicht alles schlecht“ oder SED-Unrechtsstaat? Wann immer im Gedenkjahr 2009 die DDR erinnert wurde, konnte man den Eindruck gewinnen, es habe verschiedene Länder dieses Namens gegeben. Der Essayband „Erinnerungsorte der DDR“, herausgegeben von dem Historiker Martin Sabrow, beschreibt wichtige Kristallisationspunkte der Erinnerung an den überwundenen Staat und ihre widersprüchlichen, sich wandelnden Bedeutungen.

Lesen Sie hier die Rezension für den Berliner Tagesspiegel.

„Die Freude und die Bestürzung gehören zusammen“

Der Politikwissenschaftler und Leipziger-Buchpreis-Träger Herfried Münkler („Die Deutschen und ihre Mythen“) spricht im Interview (in der Märkischen Oderzeitung Ostbrandenburg, im Freien Wort Südthüringen und ab heute auch in Kunststoff, Kulturmagazin für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen) über 20 Jahre DDR-Umsturz und Mauerfall, das geplante Einheits- und Freiheitsdenkmal in Berlin und darüber, warum der 9. November – Nacht der Grenzöffnung 1989, aber auch des Novemberpogroms 1938 – den besseren Gedenktag abgegeben hätte.

„Die Qualität eines politischen Mythos ist gerade die Fähigkeit des Fort- und Umerzählens und auch der Umgang mit Mehrfachkodierungen. […] Einerseits erfüllt uns dieser Tag mit einer gewissen Zufriedenheit über den Verlauf unserer Geschichte. Andererseits erfüllt er uns immer auch mit einer Bestürzung über das, was der 9. November auch noch war.

Wo waren Sie …

… in der Nacht, in der die Mauer fiel? Die Schriftstellerin Julia Franck („Grenzübergänge“) und der Essayist Renatus Deckert („Die Nacht, in der die Mauer fiel“) haben jeweils rund zwei Dutzend Autoren aus Ost und West um ihre Erinnerungen an den 9. November 1989 und die Grenzöffnung gebeten. Das Kuriose: Kaum einer ist tatsächlich dabei gewesen.

Eine Doppelrezension für Kunststoff, Kulturmagazin für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Nicht im Netz, aber dafür hier gedruckt zu haben.

Monumente aus Rennpappe

Braucht die erweiterte Bundesrepublik einen Gründungsmythos? Auf der Leipziger Buchmesse war der Jahrestag des Mauerfalls das große Thema. Es ging um Ost-West-Identitäten und reichlich Symbolpolitik. Ein Rückblick für den Kulturteil der taz.

Und ein Einwand der Redaktion, der nicht ganz von der Hand zu weisen ist.

Die Missgünstigen

Das ganze Land feiert Uwe Tellkamps Wenderoman „Der Turm“. Das ganze Land? Eine Stadt (und ihre Zeitung) will nicht recht einstimmen in die Bewunderung für diesen großen Wurf – selbst wenn oder gerade weil sie Schauplatz der Handlung ist. Ein Erklärungsversuch, gedruckt im Berliner Tagesspiegel (und in Potsdam in den PNN).

Die Sächsische Zeitung antwortete am Tag darauf mit dem Bericht einer Dresdner Tellkamp-Lesung: „[…] wer den Andrang im Strehlener Gemeindesaal sieht und die Schlange derjenigen, die stolz und begeistert um Widmung anstehen, fragt sich, wie eine Zeitung aus Berlin auf die Idee kam, zu behaupten, Dresden tue sich schwer mit Uwe Tellkamp.“ Der grandiose Satz zur Verleihung des Deutschen Buchpreises 2009 („Gegen die anderen Bücher der Shortlist spricht das nicht“) findet sich hier.