Moral oder Gesetz?

Wie kann jüdischen Eigentümern, denen im Zuge der nationalsozialistischen Verbrechen Kunstgegenstände geraubt und abgepresst wurden, Gerechtigkeit widerfahren? Als sich die Holocaust-Konferenz in Washington 1998 auf elf Grundsätze zum Umgang mit NS-Raubkunst einigte, schien ein Durchbruch in dieser Frage gelungen.

Zehn Jahre später, so das Ergebnis einer internationalen Fachtagung in Berlin, fällt die Bilanz ernüchternd aus. Ein Tagungsbericht für das Feuilleton der taz.

Die Missgünstigen

Das ganze Land feiert Uwe Tellkamps Wenderoman „Der Turm“. Das ganze Land? Eine Stadt (und ihre Zeitung) will nicht recht einstimmen in die Bewunderung für diesen großen Wurf – selbst wenn oder gerade weil sie Schauplatz der Handlung ist. Ein Erklärungsversuch, gedruckt im Berliner Tagesspiegel (und in Potsdam in den PNN).

Die Sächsische Zeitung antwortete am Tag darauf mit dem Bericht einer Dresdner Tellkamp-Lesung: „[…] wer den Andrang im Strehlener Gemeindesaal sieht und die Schlange derjenigen, die stolz und begeistert um Widmung anstehen, fragt sich, wie eine Zeitung aus Berlin auf die Idee kam, zu behaupten, Dresden tue sich schwer mit Uwe Tellkamp.“ Der grandiose Satz zur Verleihung des Deutschen Buchpreises 2009 („Gegen die anderen Bücher der Shortlist spricht das nicht“) findet sich hier.

So wie die Chinesen

Billigprodukte, Raubkopien, Menschenrechtsverletzungen, Demokratiedefizite: Wenn es Parallelen zwischen China und dem historischen Deutschland gibt, dann nicht – wie im Olympiajahr so oft bemüht – zu „Berlin 1936“ und dem Nationalsozialismus, sondern zum zweiten Kaiserreich. So lautet die These dieses Essays, gedruckt im Feuilleton der Frankfurter Rundschau.

Der Perlentaucher fasst zusammen: „Die entwickeln sich noch wie die Deutschen!“

Und zum Nachhören hier die Zusammenfassung im letzten Drittel der hr2-Presseschau.

Wohin die Reichsbahn im Dritten Reich rollte

Das Bundesverkehrsministerium hat nun ein Gutachten vorgelegt, das erstmals umfassend die Rolle seiner Vorgängerinstitution von 1933 bis 1945 untersucht. Daraus geht hervor, dass Reichsverkehrsministerium und Reichsbahn an den Deportationen von Juden in die Vernichtungslager unmittelbar beteiligt waren.

Eine Buchvorstellung für die Tageszeitung Die Welt.