Monumente aus Rennpappe

Braucht die erweiterte Bundesrepublik einen Gründungsmythos? Auf der Leipziger Buchmesse war der Jahrestag des Mauerfalls das große Thema. Es ging um Ost-West-Identitäten und reichlich Symbolpolitik. Ein Rückblick für den Kulturteil der taz.

Und ein Einwand der Redaktion, der nicht ganz von der Hand zu weisen ist.

Mythos Opel: Verdrängte Geschichten

Wann immer in diesen Tagen von Opel als Symbol die Rede ist, wird nostalgisch zurückgeblickt. Die Marke stehe „für Solidität und Biederkeit der fünfziger Jahre, für Familiensinn und Wirtschaftswunder“, schreibt etwa der Spiegel und resümiert: „für die Grundlagen von allem also“.

Doch macht man sich die Mühe, einmal in einschlägige Veröffentlichungen zur Firmenhistorie zu blicken, dann wird schnell klar, dass sich die Opel-Story keineswegs so bruchlos und so glanzvoll abspielte, wie sie die kollektive Erinnerung im Angesicht des gegenwärtigen ökonomischen Desasters erscheinen lassen will. Eine Recherche für die tazzwei.

Verlorene Bilder, verlorene Leben

Dass sich mit NS-Raubkunstfällen die Schicksale von Verfolgten verknüpfen, gerät in den Diskussionen um die Rechtmäßigkeit von Rückgaben und Rekorderlöse für versteigerte Bilder oft in Vergessenheit. In dem Band „Verlorene Bilder, verlorene Leben“ gehen die Berliner Provenienzforscherin Monika Tatzkow und die Wiener Journalistin Melissa Müller den Geschichten von 15 Sammlern und Sammlerfamilien nach, die von den Nationalsozialisten als jüdisch oder „jüdisch versippt“ verfolgt worden sind. Eine Rezension für den Kulturteil der taz.

Und eine ,Berichtigung‘ durch die Redaktion.

Die Wunde Dresden

Am 13. und 14. Februar jährt sich die Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg durch alliierte Bomberverbände zum 64. Mal. Dresden ist nicht mehr nur eine Chiffre des Bombenkriegs und des Leids auch der deutschen Zivilbevölkerung. Unter dem Eindruck rechter Aufmärsche scheint die Stadt inzwischen auch ein Synonym für die mangelnde Fähigkeit geworden zu sein, dem Geschichtsrevisionismus der Neonazis und Nationalkonservativen etwas entgegenzusetzen, wenn nicht gar für deren Versuche selbst, deutsche Opferzahlen gegen die nationalsozialistischen Verbrechen aufzurechnen. Ein Essay über einen mehrdeutigen Erinnerungsort, erschienen in der taz.

Und zum Hören hier ein Deutschlandradio-Pressegespräch vom 12. Februar 2009, in dem zur Mitte auch auf den taz-Beitrag Bezug genommen wird.

Historische Belastungsproben

Verschlafen und bedeutungslos wirkt heute die Berliner General-Pape-Straße am S-Bahnhof Südkreuz. Wäre da nicht ein merkwürdiger Klotz Beton. Ein Geschichtsparcours gibt jetzt Aufschluss über die Kasernen und Pläne für die „Welthauptstadt Germania“ im einstigen Militärbezirk. Hier beginnt der Rundgang.

Und hier finden Sie den notwendigen Lageplan und Informationsbroschüren des Bezirksamts Tempelhof-Schöneberg von Berlin als pdf-Downloads.

1984

Orwelljahr und Los-Angeles-Boykott, im Osten erste Botschaftsbesetzungen durch Flüchtlinge aus der DDR und im Westen die Angst vor dem „Überwachungsstaat“ – der von mir verfasste Beitrag „1984“ in „60 x Deutschland“, Begleitbuch der gleichnamigen ARD-Fernsehreihe, erinnert an die Ereignisgeschichte dieses Jahres zwischen Blockkonfrontation und Glasnost, Breschnew und Gorbatschow, der wenig später in den Kreml einziehen sollte.

Mehr Informationen über das von Sandra Maischberger und Johannes Unger herausgegebene Buch finden Sie auf der Homepage des Nicolai-Verlags.

Chamisso Sprak

Am 5. März in München wird zum 25. Mal der Adelbert-von-Chamisso-Preis der Robert-Bosch-Stiftung für deutsch schreibende Autoren nichtdeutscher Muttersprache verliehen. Der aus Polen stammende Romancier Artur Becker ist, weil der Hauptpreis zum Teil mehrfach vergeben wurde, bereits der 29. Schriftsteller, der ihn erhält. Die argentenische Schriftstellerin María Cecilia Barbetta und die bulgarische Lyrikerin Tzveta Sofronieva sind Nummer 28 und 29 des zugleich vergebenen Förderpreises.

Eine Würdigung des Preises und der sogenannten Migrationsliteratur.