Nach viereinhalb Jahren im Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis in Chemnitz bin ich beruflich wieder in freier Wildbahn, jedenfalls fast, und nehme Abschied. Ich habe die Gedenkstätte in der Aufbau- und Anlaufphase sowie im Kulturhauptstadtjahr begleiten und unterstützen dürfen. Es war eine spannende und besondere Zeit mit vielen für mich wichtigen Erfahrungen und Begegnungen. Dafür sage ich recht herzlich danke!
Im Lern- und Gedenkort geht es um Erinnerung und die aktive Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte. Ich bin davon überzeugt, in einer Zeit, in der die liberale Demokratie unter Druck steht, kann man die Bedeutung eines solchen Ortes für Chemnitz und darüber hinaus nicht überschätzen. Er ist ein Stachel im Fleisch der DDR-Nostalgie und gegen autoritäre Versuchungen.
Ich bleibe den Themen des Ortes verbunden und stelle mich freiberuflich und journalistisch neuen Aufgaben und Herausforderungen. Davon demnächst mehr an dieser Stelle.
Mein Symbolbild zeigt einen Ausstellungsbereich des Mährischen Landesmuseums in Brno/Brünn im Sommer 2011.
Elternzeitvertretung beim Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis in Chemnitz
Ich habe eine Elternzeitvertretung beim Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis e.V. in Chemnitz übernommen. Das Kaßberg-Gefängnis ist als einstiger Abwicklungsort des Häftlingsfreikaufs ein wichtiger Erinnerungsort der DDR-Geschichte und der deutschen Teilung. Für die meisten der mehr als 33.000 politischen Häftlinge, die von der Bundesrepublik zwischen 1962/1963 und 1989 freigekauft wurden, gingen von hier aus die Busse in die Freiheit. Außerdem diente der Gebäudekomplex als Untersuchungshaftanstalt der Staatssicherheit und zuvor des NKWD. In der Zeit des Nationalsozialismus waren im Kaßberg-Gefängnis Angehörige unterschiedlicher Opfergruppen eingesperrt.
Der Verein setzt sich seit seiner Gründung 2011 für den Erhalt des früheren Gefängnisses und die Errichtung eines Lern- und Gedenkorts ein, der an die verschiedenen Zeitabschnitte erinnert. Gegenwärtig wird im ehemaligen Hafttrakt B mit Fördermitteln von Bund, Freistaat Sachsen und Stadt Chemnitz gebaut. Eine Dauerausstellung soll entstehen, deren Mittelpunkt die Lebensgeschichten früherer politischer Gefangener darstellen. Auch Bildungsangebote in Form von Workshops, Zeitzeugengesprächen und Führungen spielen eine wichtige Rolle.
Ich finde, das ist ein tolles und unterstützenswertes Projekt, und ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit den Mitgliedern und Vorständen, Kolleginnen und Kollegen, Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie allen Partnerinnen und Partnern des Vereins.
Das Foto oben zeigt den bereits 2017 eröffneten Gedenkort an der Außenmauer in der Kaßbergstraße, das Bild unten Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Gedenkveranstaltung an dessen Innenseite. Und zur Website des Vereins geht es hier entlang.
UPDATE: Eine Presseschau zum Ersten Spatenstich für den Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis im November 2021 finden Sie hier und Beiträge über die Geschichten der Zeitzeugen André Fischer und Dr. Ulrich Müller, von mir protokolliert für den Tätigskeitsbericht der Stiftung Sächsische Gedenkstätten beziehungsweise die Website des Vereins, wenn Sie hier (PDF, Seite 112/113) beziehungsweise hier klicken.