Über heikle Tischgespräche
Dass das Klischee Polen und Autoklau ein heikles Gesprächsthema ist, bemerkten wir neulich beim Essen mit Besuch aus L. Es ging um die DDR und die Volksrepublik, den Kirchensender Radio Maryja und die Kaczynski-Brüder, um „unseren“ und „euren“ Papst (wobei wir uns nicht angesprochen fühlten), und irgendwie kamen wir auch auf die Witze „dieses Entertainers“. „Harald Schmidt?“ „Genau.“ Denn wie hierzulande Thema wird, wenn polnische Zeitungen Angela Merkel mal wieder eine Hakenkreuzbinde an den Arm fotomontieren, sorgt im Nachbarland für Empörung, wenn sich Dirty Harry Polen zuwendet.
Man müsse Schmidt nicht mögen, versuchten wir zu erklären, aber er betreibe eine Art Bildungsfernsehen mit anderen Mitteln: Wenn er Chauvi-Witze mache, ziele das auch darauf ab, Vorurteile seiner Zuschauer aufzudecken. Schließlich komme er vom Theater oder zumindest vom Kabarett. Zugegeben, ganz sicher seien wir uns mit dieser These nicht. Auf jeden Fall aber mache er solche Witze über alles und jeden.
Unser Gast räumte ein, dass das in Polen genauso wenig miterzählt werde, wie in Deutschland vermutlich, um was für Zeitungen es sich bei denen mit den Armbinde-Montagen handelt. Besser zur Vorurteilsbekämpfung geeignet als Lehrtheater aber sei immer noch die Realität. Als sie das letzte Mal in Deutschland war, seien ihr die Radkappen geklaut worden. Jetzt werde sie von ihren Bekannten immer vor deutschen Autodieben gewarnt. Robert Schröpfer
Gedruckt erschienen in der Freien Presse Chemnitz am 10. August 2012.
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