Eine Ausstellung in Dresden feiert „100 Jahre Volkskunst im Jägerhof“ und erinnert auch daran, wie einst aus der Sehnsucht nach der guten alten Zeit die „erzgebirgische Volkskunst“ als Marketing-Idee entwickelt wurde.
Als 1896 im damaligen Dresdner Ausstellungspalast am Großen Garten eine große Gewerbeschau stattfand, bewunderten Tausende Besucher nicht nur neueste Produkte und technische Errungenschaften. Vor dem Eingang der erst kurz zuvor eröffneten Hallen waren auch ein sorbisches Dorf und eine „alte Stadt“ errichtet worden, die mit Trachten, traditionellen Möbeln und Hausrat zu einer Hauptattraktion des Ausstellungssommers avancierten. Ausgerechnet im Rahmen einer Veranstaltung, die den Fortschritt zelebrierte, feierten mithin zwei Programmpunkte Erfolge, die im Gegenteil einer wachsenden Sehnsucht nach heiler Welt und der vermeintlich guten alten Zeit entgegenkamen.
Eine Vereinsgründung und 18 Jahre später, im September 1913, sollte die mittlerweile gewachsene Sammlung dann im Dresdner Jägerhof, einem Renaissancebau auf der Neustädter Elbeseite, der zuvor als Kaserne und Straßenbahndepot genutzt worden war, ein dauerhaftes Domizil eröffnen. Denn genauso wie der Nachbau des Dorfes den Grundstock für das Sorbische Museum in Bautzen gelegt hatte, war aus der „alten Stadt“ das Museum für Sächsische Volkskunst hervorgegangen.


